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NASA verschiebt 360 Tonnen Mondrakete SLS auf 7 km langer Strecke – Transfer dauert einen Tag

Clara B.

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Eine riesige Rakete, fast so hoch wie ein Hochhaus, rollt mit Schrittgeschwindigkeit durch Florida. Warum dauert ein Weg von nicht einmal sieben Kilometern fast einen ganzen Tag? Hinter diesem ungewöhnlich langsamen Transport steckt mehr als nur Technik. Es ist ein sichtbarer Meilenstein auf dem Weg zu Artemis II, der nächsten bemannten Mission Richtung Mond.

Ein Transport, der wie Science-Fiction wirkt

Am 17. Januar beginnt der Rollout der SLS-Rakete vom Kennedy Space Center. Sie verlässt das Vehicle Assembly Building und bewegt sich Richtung Startplatz 39B – exakt 6,8 Kilometer entfernt. Das klingt nach wenig. Doch der Transport dauert rund zwölf Stunden. Die Geschwindigkeit liegt bei nur 0,5 Kilometern pro Stunde. Pausen, Kontrollen und Justierungen sind eingeplant.

Die Nasa verschiebt damit eine Gesamtmasse, die dem Gewicht von rund 80 Blauwalen entspricht. Aus der Luft wirkt die gesamte Struktur wie ein wandernder Wolkenkratzer. Die Rakete steht auf einer mobilen Plattform, die von einem Kettenfahrzeug getragen wird. Diese Straße besteht aus verdichtetem Spezialkies, der exklusiv für solche Fahrten gebaut wurde.

Die schwersten Fahrzeuge der Welt im Einsatz

Herzstück dieses Transports sind die Crawler-Transporter. Zwei davon besitzt die Nasa. Sie sind seit den 1960er-Jahren im Einsatz, damals schon für die Apollo-Missionen und später für die Space Shuttles.

  • Eigengewicht pro Crawler: etwa 2,7 Millionen Kilogramm
  • Maximale Traglast: rund 8,2 Millionen Kilogramm
  • Aktuelle Last SLS + Plattform: etwa ein Drittel der Kapazität
  • Transportgeschwindigkeit: rund 0,5 km/h
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Die maximale Traglast entspricht vier Fünfteln des Gewichts des Eiffelturms, etwa 20 voll beladenen Boeing-777 oder eben jenen 80 ausgewachsenen Blauwalen. Die Nasa arbeitet mit großen Sicherheitsreserven, um auch künftige, noch schwerere Raketen transportieren zu können.

Ein 98-Meter-Turm auf dem Weg zur Rampe

Der SLS-Block, der auf die Rampe rollt, ist 98,1 Meter hoch. Damit reicht die Spitze so hoch wie ein Gebäude mit etwa 30 Etagen. Nur das SpaceX-Starship überragt ihn zurzeit.

Unten befinden sich zwei verlängerte Feststoffbooster, in der Mitte die Flüssigkeitsstufe mit flüssigem Sauerstoff und Wasserstoff. Oben sitzt das Orion-Raumschiff mit dem Startabbruchsystem. Die Größenordnung hat einen klaren Zweck: Die Rakete muss die Besatzung aus dem Schwerefeld der Erde heben und sicher zum Mond bringen.

Vier Menschen bereiten ein neues Kapitel vor

Mit dieser Rakete sollen bald vier Astronautinnen und Astronauten starten: Reid Wiseman, Victor Glover, Christina Koch und Jeremy Hansen. Drei stammen aus den USA, einer aus Kanada.

Ihr Flug trägt den Namen Artemis II. Die Mission führt nicht zur Mondoberfläche, sondern weit um den Mond herum – bis zu 9.260 Kilometer über seine Oberfläche hinaus. Es entstehen mehrere Premieren:

  • Erster bemannter Flug von SLS und Orion
  • Größte Distanz einer Frau von der Erde (Christina Koch)
  • Größte Distanz einer Person of Color von der Erde (Victor Glover)
  • Erster kanadischer Astronaut auf einem Mondflug (Jeremy Hansen)

Warum dieser Transport so präzise sein muss

Ein 100 Meter hoher Turm hat einen hohen Schwerpunkt. Schon kleine Vibrationen können die Struktur belasten. Deshalb fährt der Crawler extrem langsam. Seine 16 Kettenstränge verteilen das Gewicht, ähnlich wie Schneeschuhe auf lockerem Schnee.

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Ingenieursteams überwachen während des gesamten Weges Temperaturen, Schwingungen und Strukturen. Der Crawler kann die Plattform millimetergenau anheben oder neigen. Jede Erschütterung könnte später Probleme verursachen, etwa an Treibstoffleitungen oder Ventilen.

Tests, Proben und das kritische Startfenster

Am Startplatz 39B beginnt eine lange Testphase. Sensoren, Stromversorgung, Ventile und Kommunikationssysteme werden mehrfach geprüft. Ein Höhepunkt ist die „nasse“ Generalprobe mit kryogenen Treibstoffen wie flüssigem Sauerstoff bei rund –183 Grad Celsius und flüssigem Wasserstoff, der noch kälter ist.

Parallel übt das Bodenteam den Countdown bis wenige Sekunden vor T-0. Erst wenn alles zuverlässig funktioniert, wird ein Starttermin innerhalb des geplanten Fensters von Februar bis April festgelegt. Mondposition, Beleuchtung, Funkfenster und Wetter in Florida müssen zusammenpassen.

Ein kleiner Weg mit großer Bedeutung

Der Rollout wirkt unscheinbar. Doch er zeigt, wie viele Jahre Planung, wie viel internationale Zusammenarbeit und wie viele technische Details hinter Artemis II stehen. Wenn sich der 100 Meter hohe Turm langsam zur Rampe bewegt, beginnt ein entscheidender Abschnitt auf dem Weg zurück zum Mond.

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