Ein Antrieb, der Raumschiffe in nur ein bis zwei Monaten zum Mars bringt. Diese Behauptung aus Russland sorgt für viel Aufmerksamkeit. Rosatom, eigentlich für Kernenergie bekannt, präsentiert einen neuen Plasma‑Motor, der angeblich rund 22‑mal schneller arbeitet als heutige chemische Raketen. Was steckt dahinter und wie realistisch ist das alles?
Wie der neue Plasma-Antrieb funktionieren soll
Der Kern der Idee ist ein magnetischer Plasma-Beschleuniger. Anders als chemische Raketen verbrennt er keinen Treibstoff. Stattdessen wird ein Gas zwischen zwei Elektroden in ein Plasma verwandelt. Das bedeutet, es zerfällt in Elektronen und Ionen.
Ein starkes elektrisches Feld beschleunigt diese geladenen Teilchen. Gleichzeitig erzeugt der Strom ein kräftiges Magnetfeld. In der Kombination entstehen extrem hohe Geschwindigkeiten. Laut Rosatom sollen die Plasma-Partikel bis zu 100 Kilometer pro Sekunde erreichen. Chemische Raketen schaffen im Vergleich etwa 4,5 Kilometer pro Sekunde.
Diese hohe Ausströmgeschwindigkeit wäre der Schlüssel zu viel kürzeren Reisezeiten im All.
Warum Wasserstoff als Treibmittel?
Für den Antrieb setzt Rosatom auf Wasserstoff. Er ist das leichteste Element und kommt im Sonnensystem häufig vor. Seine geringe Masse erleichtert es, die Teilchen sehr stark zu beschleunigen. Genau das ist für hohe Endgeschwindigkeiten wichtig.
Rosatom gibt an, dass mit Wasserstoff Ausströmgeschwindigkeiten bis zu 100 km/s möglich wären. Das wäre eine völlig neue Größenordnung, verglichen mit klassischen Raketen.
Vorteile gegenüber chemischen Raketen
Der Plasma-Motor könnte Energie deutlich effizienter nutzen. Ein klassischer Raketenantrieb verliert viel Energie als Hitze in der Brennkammer. Beim Plasma-Motor fließt die elektrische Energie direkt in die Beschleunigung der Teilchen.
- chemische Raketen: hoher Schub, kurze Brennzeit, begrenzte Endgeschwindigkeit
- Plasma-Antrieb: niedriger Schub, sehr lange Brennzeit, hohe Endgeschwindigkeit
- Rosatom-Konzept: Plasma mit besonders hoher Geschwindigkeit und starker elektrischer Leistung
Der aktuelle Stand der Entwicklung
Rosatom verweist auf einen Prototyp, der am Troitsk-Institut bei Moskau getestet wird. Er arbeitet im Pulsbetrieb und nutzt rund 300 Kilowatt elektrische Leistung. Die Tests laufen in einer vier Meter breiten und vierzehn Meter langen Vakuumkammer.
Ziel sind mehr als 2.400 Betriebsstunden. Damit ließe sich ein kompletter Marsflug abdecken, zumindest theoretisch.
| Parameter | Rosatom-Prototyp | Typische chemische Rakete |
| Art des Antriebs | elektrisches Plasma-Triebwerk | chemische Verbrennung |
| Elektrische Leistung | ca. 300 kW | keine elektrische Hauptleistung |
| Ausströmgeschwindigkeit | bis 100 km/s | rund 4,5 km/s |
| Reisedauer zum Mars | 1–2 Monate | 6–9 Monate |
Wie ein Marsflug mit diesem Antrieb aussehen könnte
Der Plasma-Antrieb kann kein Raumschiff von der Erde starten. Der Schub ist zu gering. Zuerst müsste eine normale Rakete das Schiff in den Erdorbit bringen. Dort startet der Plasma-Motor und beschleunigt über Tage oder Wochen.
So wächst die Geschwindigkeit kontinuierlich, bis die optimale Bahn erreicht ist. Am Ende müsste der Motor wieder bremsen, um das Raumschiff sicher auf Marskurs zu bringen.
Rosatom erwähnt auch mögliche Raum-Schlepper. Diese könnten Fracht transportieren, etwa Material für künftige Marsstationen.
Wie belastbar sind die Angaben?
Bisher gibt es vor allem Mitteilungen von Rosatom. Peer-Review-Studien fehlen. Dadurch bleibt offen, wie effizient der Motor tatsächlich arbeitet oder wie stabil er läuft.
Ein weiterer Punkt ist die Energieversorgung. Ein Motor mit 300 kW braucht starke Stromquellen:
- große Solarpaneele
- Weltraum-Kernreaktoren
- Kombination mehrerer Systeme
Alle Optionen bringen technische und politische Herausforderungen mit sich.
Was der Antrieb für künftige Marsmissionen bedeuten könnte
Kürzere Flugzeiten hätten große Vorteile. Die Crew wäre weniger Strahlung ausgesetzt und verbringt weniger Zeit in Schwerelosigkeit. Auch die Planung würde flexibler. Höhere Endgeschwindigkeiten erlauben breitere Startfenster.
Offene Probleme und Risiken
Die Technologie bringt starke elektromagnetische Felder mit sich. Sie könnten Bordelektronik stören. Außerdem erhöht die lange Betriebsdauer das Risiko von Navigationsfehlern. Auch Materialerosion durch schnelle Plasmateilchen bleibt ein kritischer Punkt.
Wie realistisch sind 22‑fach schnellere Marsflüge?
Physikalisch wirkt das Konzept möglich. Doch der Schritt von Laborversuchen zu einsatzfähigen Systemen ist groß. Es braucht robuste Materialien, verlässliche Stromquellen und klare politische Prioritäten.
Ein realistisches Zwischenziel wären unbemannte Transporter. Sie könnten Güter vorausbringen, bevor bemannte Missionen folgen. Gleichzeitig hätte die Technologie militärische Relevanz, was zusätzliche Fragen schafft.





